17. November 2022 | 19:00 Uhr
Die Quelle der Nachhaltigkeit ist Zuversicht – Ulrich Grober in Berlin

Unsere Sprache formt unseren Blick auf die Welt und bestimmt, wie wir mit ihr – und uns – umgehen. Längst ist der Leitbegriff der „Nachhaltigkeit“ zu einem inflationären Etikett geworden, das nahezu jedem Produkt und jeder Praxis nach Belieben aufgeklebt wird. 

 

Der Publizist und Buchautor Ulrich Grober macht in seinem neuen Buch den Versuch, diesen Begriff zu „boostern“. Dabei gelingt es ihm, Nachhaltigkeit sowohl mit den Grundbedürfnissen des Menschen neu zu verknüpfen als auch eine klare Trennlinie zu zerstörerischen Nachhaltigkeits-Illusionen zu ziehen. Damit würden nicht länger Zukunftsangst und der Kampf gegen die Krise unser Handeln bestimmen, sondern – Zuversicht. 

 

Es ist wahr, dass der Blick der Astronauten auf die Erde unser Bild vom verletzlichen „blauen Planeten“ erst ermöglicht hat. Aber genau so wahr ist, dass die Weltraummissionen seit jeher die Sprache der Eroberung sprechen. Ulrich Grober erkennt darin „den großen Irrtum: zu meinen, die Welt sei zum Nutzen und Vorteil des Menschen eingerichtet und könne als Objekt der Eroberung dienen“. Wir müssten stattdessen einsehen, dass der Mensch selbst nur Teil der Natur und gerade dabei ist, die Natur zu erobern und in einem Ausmaß zu zerstören, das auch dem Menschen die Lebensbasis auf diesem Planeten entzieht. 

 

Wir alle ahnen das. Und viele sehen den Ausweg darin, die Wirtschaft und unser Leben „klimaneutral“ zu machen. Aber ist das nachhaltig? Ulrich Grober bezweifelt es: „Ohne Frage, die Klimakrise lässt sich gut ‚runterbrechen‘. Die Eisbären, die Gletscher, der verdorrte Rasen hinterm Haus, der überflutete Keller. Klima versteht jeder. ‚Klimaneutral bis 2050‘ – das ist griffig, das lässt sich operationalisieren. Ja, natürlich: Die Erderwärmung ist ein Teil des Problems, Klimaschutz ein Teil der Lösung. Klimaneutralität ist ein eminent wichtiges Ziel. Aber was ist, wenn die Erderwärmung nur ein Symptom der Krise ist? So wie das Fieber nur ein Symptom der Krankheit ist. Kein Arzt geht davon aus, dass fiebersenkende Mittel den Patienten heilen. Wir müssen größer denken. Nachhaltigkeit geht aufs Ganze.“

 

Dieses „Ganze“ ist bei Grober die Einsicht, dass nicht der CO2-Fußabdruck unser Hauptproblem ist, sondern unsere „Illusion, wir könnten ‚weiter so‘ machen, wenn wir bloß die fossilen Energieträger durch erneuerbare ersetzten. Die unbequeme Wahrheit aber ist: Eine Konsumgesellschaft heutigen Ausmaßes lässt sich auch mit erneuerbaren Energien nicht aufrechterhalten. Damit wäre die Biosphäre heillos überlastet.“ Und die große Angst, die wir bewältigen müssen, wenn wir diese Einsicht ernstnehmen, ist unsere Verzichtsangst.

 

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Veranstaltungsort

stratum Lounge Berlin

Boxhagener Str. 16

10245 Berlin

Vor Ort dabei 

Den Publizist und Buchautor Ulrich Grober beschäftigt die Verknüpfung von kulturellem Erbe und Zukunftsvisionen. Er schreibt regelmäßig für DIE ZEIT, taz, Deutschlandradio, WDR, RBB und viele andere. Seine »Entdeckung der Nachhaltigkeit« ...

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