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Papier – Andere Seiten aufschlagen 

Weiße Blätter, meist gar nicht grün: Die Papiergewinnung verursacht viele Umweltprobleme, angefangen bei der Holzproduktion. Die Verwendung von Recyclingpapieren kann die Ökobilanz von Verlagen entscheidend verbessern. Und falls der Einsatz von Frischfaserpapier dennoch nötig ist, bürgen verschiedene Gütezeichen dafür, dass das Holz aus nachhaltigen Quellen stammt.

Ohne Papier geht nichts in Verlagen. Aber Waldbau, Holzernte und der Transport in die Papierfabrik haben oft schädigende Umweltauswirkungen. Der hohe Energieverbrauch bei Papierherstellung und -recycling macht die Papierindustrie zu einem der industriellen Spitzenstromverbraucher – mitsamt der damit einhergehenden Klimaeffekte.

Der Bedarf am Rohstoff Papier steigt weiterhin weltweit. „Allein Deutschland verbraucht heute mehr Papier als der afrikanische und der südamerikanische Kontinent zusammen. Jeder Bundesbürger verwendet durchschnittlich 250 Kilogramm Papier pro Jahr. Dies entspricht etwa der Papiermenge eines Harry Potter-Bandes pro Tag“ (Quelle: Initiative Pro Recyclingpapier). Wenn Verlage bei der Papierbeschaffung und -nutzung auf mehr Nachhaltigkeit achten, hat das in der Regel außer ökologischen auch finanzielle Vorteile: absatzgesteuerte Auflagezahlen und Print-on-Demand tragen dazu bei, den Papierbedarf deutlich zu verringern.

Mit Recycling auf einen grünen Zweig kommen

Um den mit der Papiergewinnung verbundenen Umweltproblemen zu begegnen, gibt es seit vielen Jahrzehnten Bestrebungen zur Mehrfachverwertung von Papierprodukten und zur Entwicklung von Recyclingpapieren. Hinsichtlich ihrer Ökobilanz sind Recyclingpapiere deutlich im Vorteil. Im Vergleich zu Frischfaserpapieren benötigt ihre Herstellung wesentlich weniger Energie, Wasser und Chemikalien.

Aber auch in Bezug auf Qualität, Weiße und Haptik können sich Recyclingprodukte – entgegen eines hartnäckigen Vorurteils – längst mit Frischfaserpapieren messen. Inzwischen ist am Markt eine große Auswahl an Recyclingpapieren erhältlich. Den höchsten Anspruch erfüllen Papiere, die mit dem „Blauen Engel“ gekennzeichnet sind. Das älteste und bekannteste Umweltzeichen setzt seit 1978 Maßstäbe für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen. Eine unabhängige Jury legt diese Maßstäbe nach definierten und in regelmäßigen Intervallen aktualisierten Kriterien fest.

Wenn sich der Einsatz von Frischfaserpapier nicht vermeiden lässt, bürgen verschiedene anerkannte Gütezeichen dafür, dass das für die Herstellung verwendete Holz aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft stammt. Das „Forest Stewardship Council" (FSC) oder das „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes" (PEFC) bieten derartige Label zur Bewertung von Holzprodukten bis hin zu Druckpapieren. Auch auf dem amerikanischen Markt gibt es solche Umwelt- und Qualitätssiegel: Die „Paper Scorecard“ – der Leitfaden zum Papiereinkauf des WWF – und die „Paper Profiles“ der verschiedenen Papierhersteller und -vertreiber liefern Kriterien, um die Nachhaltigkeit von Papier zu bewerten.

Nachhaltiges Drucken 

Mineralölfreie Farben, energieeffiziente Maschinen, umweltoptimierte Techniken – der Druck bietet viele Stellschrauben für eine bessere Ökobilanz, die zudem Kosten sparen können.

Der Druck von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften ist für Verlage eine zentrale ökologische Herausforderung. Ziel sollte es sein, umweltbelastende Stoffe zu ersetzen, Energie effizient zu nutzen, Abwasser und Abfallmengen zu begrenzen und die Emissionen zu verringern. Je nach Endprodukt wenden Druckereien unterschiedliche Drucktechniken an, die sich auch bezüglich der eingesetzten Chemikalien und ihrer Umweltwirkung unterscheiden.

Während Bücher normalerweise im Offsetdruck entstehen, kommen bei Zeitungen, Zeitschriften und Katalogen mit hohen Auflagen Tiefdruckverfahren zum Einsatz. Bei beiden Techniken sind die Möglichkeiten für umweltschonenderes Drucken längst noch nicht ausgeschöpft. So enthalten die meisten Druckfarben noch immer Bindemittel aus schlecht abbaubaren, modifizierten Ölen und Harzen sowie erdölbasierte organische Lösemittel, die Emissionen verursachen und Rückstände im Papier hinterlassen.

Inzwischen sind jedoch auch sogenannte „ökologische“ Farben auf dem Markt, die auf diese problematischen Inhaltsstoffe weitestgehend verzichten. Ihr Einsatz ist auch in herkömmlichen Offset-Druckmaschinen problemlos möglich. Allerdings sollten die Öle aus nachwachsenden Rohstoffen aus zertifiziertem Anbau stammen und sicherstellen, dass keine Urwaldflächen für den Soja- o. a. Ölpflanzenanbau gerodet wurden. Die Qualität derart hergestellter Druckprodukte ist auch bei der Verwendung von reinem Recyclingpapier mit der Druckqualität auf Standard-Offsetpapier vergleichbar.

Druckfrisch zu mehr Umweltschutz

DruckmaschineEin weiterer Aspekt im Zusammenhang mit der Umweltfreundlichkeit von Druckfarben ist deren optimale Angepasstheit an den sogenannten Deinking-Prozess (Druckfarbenentfernung) in der Altpapieraufbereitung. Deinkbarkeit wird zunehmend als Kriterium für die Rezyklierbarkeit eines Papierprodukts anerkannt, denn Papiere können prinzipiell bis zu sechs Mal rezykliert werden. Es ist deshalb besonders wichtig, dass sich die aufgetragenen Druckfarben ohne großen Aufwand, umweltschonend und rückstandsfrei vom Papier entfernen lassen.

Vor diesem Hintergrund ist das Produktdesign der Druckfarben genau daraufhin zu prüfen und ggf. zu optimieren, sodass Druckfarbenpartikel ausreichend groß und konsequent hydrophob (wasserabstoßend) entfernbar und damit optimal auf das Flotationsverfahren abgestimmt sind. Optimierungsbedarf besteht für Zeitschriften aus Flexodruck und Produkte wie pigmentierte Inkjet-Tinten und Flüssigtoner.

Ökologisches Optimierungspotenzial gibt es auch bei den verwendeten Feuchtmitteln. In Offsetdruckmaschinen kommen konventionell Isopropylalkohol (IPA) und Wasser als Feuchtmittel zum Einsatz. Ökologisch vorteilhafter ist das wasserlose Offset-Verfahren, das bislang vorrangig in Ländern mit strengen Umweltgesetzen, wie der Schweiz, Japan und den skandinavischen Ländern, eingesetzt wird.

Allerdings ist wasserloser Offsetdruck nicht in allen Anwendungsgebieten einsetzbar. Am Markt sind jedoch bereits Maschinen verfügbar, die komplett ohne Alkohol betrieben werden können. Die damit einhergehende Umweltentlastung wird um Kosteneinsparungen durch Wegfall des Isopropylalkohols ergänzt und ist deshalb auch ökonomisch interessant für Druckereien und ihre Auftraggeber. Aber auch im konventionellen Offsetdruck lässt sich der Isopropylalkoholanteil im Feuchtwasser durch nicht verdunstende Ersatzstoffe auf null mindern.

Energieverbrauch analysieren und senken

Geld sparen und gleichzeitig die Umwelt entlasten können Druckereien auch, indem sie ihren Stromverbrauch analysieren. Denn mit einem Jahresverbrauch von rund 17.500 Kilowattstunden pro Mitarbeiter(in) führt die Druckbranche die Riege der größten Stromverbraucher unter den Industriebranchen an.

Der Einsatz energieeffizienter Druckmaschinen und Drucklufterzeugungssysteme, effiziente Beleuchtungs- und Befeuchtungssysteme sind nur einige Beispiele dafür, wie Druckereien ihre Stromrechnung reduzieren und der Umwelt Gutes tun können.

Vertrieb – Grüne Wege führen ans Ziel 

Von der Druckerei zum Großhändler, von dort aus weiter in den Buchladen – der Vertrieb von Publikationen hat entscheidende Auswirkungen auf die Umweltbilanz von Verlagen. Es lohnt sich daher, die Transportwege im Auge zu behalten. Kurze Wege und umweltfreundliche Fahrzeuge schonen das Klima und verkleinern den ökologischen Fußabdruck. Und beim Versand per Post gibt es eine klimaneutrale Alternative.

Die Umweltwirkung von Publikationen reicht weiter als bis zum fertigen Buch oder zur druckfrischen Zeitschrift. Auch der Versand und die Auslieferung der Ware tragen zum ökologischen Fußabdruck von Verlagsprodukten bei. Denn der Vertrieb verbraucht Ressourcen, verursacht CO2-Emissionen und wirkt sich damit negativ auf die Umweltbilanz von Verlagen aus. Die Energiebilanz von Büchern und Zeitschriften kann sich dabei je nach Vertriebsform unterscheiden: So ist der Internetversand in der Regel etwas klimafreundlicher als der Verkauf über den Buchhandel – wobei der Vergleich jedoch entscheidend davon abhängt, mit welchem Verkehrsmittel der Kunde oder die Kundin den Weg in die Buchhandlung zurücklegt (letzter Meter zählt), ob eine Über-Nacht-Lieferung erfolgt ist und ob beim Online-Kauf eine Rücksendung nötig ist.

In einer grünen Lieferkette ist alles vernetzt

 

Regionale Produktionsketten zahlen sich doppelt aus

Verlage, die den Vertrieb ihrer Produkte klimafreundlich gestalten wollen, achten auf den Einsatz energieeffizienter Fahrzeuge, minimieren Leerfahren und halten die Transportwege möglichst kurz. Transportwege lassen sich auch dadurch verringern, dass Verlage bewusst mit regionalen Druckereien zusammenarbeiten. Gleichzeitig sollten sie die Großhändler dazu auffordern, für die Lieferung der Druckerzeugnisse in den Einzelhandel vorrangig regionale Dienstleister zu beauftragen. Die Reduktion von Verpackungsmaterial spart Platz und Gewicht und damit möglicherweise auch Transportwege.

Schließlich gibt es die Möglichkeit, die Klimafolgen des Versands auszugleichen. So bietet etwa der GoGreen-Service von DHL eine klimaneutrale Auslieferung der Ware an. Diese Versandoption berechnet die Emissionen durch den Transport. Der Verlag zahlt die in Geldwert umgerechnete CO2-Belastung. Dieser Betrag finanziert direkt internationale Klimaschutzprojekte.

E-Books nicht per se ökologischer

Die zunehmende Verbreitung elektronischer Medien macht es heute möglich, fast vollständig auf klimabelastende Transportwege zu verzichten. Generell umweltfreundlicher sind die elektronischen Medien deshalb jedoch nicht.

Die Lesegeräte verursachen bei ihrer Produktion erhebliche Umweltbelastungen. Ob die Klimabilanz des E-Book-Readers trotzdem positiv ausfällt, hängt zum großen Teil vom Leseverhalten ab: Je intensiver und länger das Gerät genutzt wird, desto besser ist seine Umweltbilanz.

Schöne neue Bürowelt 

Umweltschutz vom Schreibtisch aus: Beim Kauf von Büroartikeln, Geräten oder Druckerpapier haben Verbraucher und Unternehmen viele Möglichkeiten, der Umwelt Gutes zu tun und gleichzeitig den Geldbeutel zu schonen. Verschiedene Checklisten und Leitfäden geben Auskunft über Herstellung und Produkteigenschaften und bieten Orientierungshilfen auf dem Weg zu grüneren Arbeitsräumen.

Ob die Verwendung lösungsmittelfreier Stifte und Klebstoffe, der sparsame Verbrauch von Papier, der Einsatz energieeffizienter Geräte oder die Nutzung von Ökostrom – der Büroalltag bietet viele Möglichkeiten, umweltfreundlich zu arbeiten. Hier ist jede(r) Einzelne gefragt. Schulungen, Aushänge oder Aufkleber für Bürogeräte tragen dazu bei, die Mitarbeiter(innen) für das Thema zu sensibilisieren und zu umweltgerechtem Verhalten zu motivieren.

Zum Thema „Umweltschutz im Büro“ stehen hilfreiche Leitfäden und Checklisten zur Verfügung. Sie regen an zum umweltschonenden Umgang mit Büromaterialien, informieren über die energieeffiziente Nutzung von Geräten und Lampen oder geben Tipps zum effizienten Lüften und Heizen der Arbeitsräume. Nützliche Informationen zum Thema finden sich beispielsweise auf folgenden Seiten:

Bayerisches Landesamts für Umweltschutz: „Bürogebäude - Klima schützen - viel sparen mit weniger Strom“

Bayerischen Landesamts für Umwelt: „Mitarbeitermotivation für umweltbewusstes Verhalten“

Öko-Institut: EcoTopTen

Wegweiser im Dschungel der Produkte

Beim Kauf von umweltfreundlichen Büroartikeln oder nachhaltig erzeugtem Druck- und Kopierpapier können sich Unternehmen an Umweltzeichen wie dem „Blauen Engel“ orientieren. Sie geben Auskunft über Produkteigenschaften und Umweltaspekte in der Produktion.

Nützliche Orientierungshilfen finden sich auch auf den Seiten des Umweltbundesamtes. Die Informationen des Umweltbundesamtes umfassen Bürogegenstände wie Drucker, Beamer oder Computerbildschirme, aber auch andere, für den Büroalltag wichtige Bereiche wie Innenausstattung, Energieversorgung und Hygieneprodukte.

Das GPP-Toolkit bietet Informationsblätter für verschiedene Produktgruppen wie Papier, IT-Geräte oder Elektrizität. Sie dienen als Leitlinien für die umweltfreundliche öffentliche Beschaffung, lassen sich aber auch auf den privatwirtschaftlichen Bereich übertragen.

Neben der Beschaffung umweltfreundlicher Produkte bietet auch die nachhaltige Gestaltung von Dienstleistungsaufträgen Möglichkeiten, um die Umweltbilanz im Büro zu verbessern: Hierzu zählen beispielsweise Aufträge zur umweltfreundlichen Gebäudereinigung oder zum Geräteleasing sowie der klimaneutrale Post- und Paketversand.

Da zum Büroalltag auch Pausen und Firmenfeste gehören, sind nicht zuletzt die Verpflegung der Mitarbeiter(innen) mit Lebensmitteln aus regionaler, ökologischer Landwirtschaft sowie die konsequente Mülltrennung wichtige Schritte in Richtung Grünes Büromanagement.

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