»Die Kunst der Ausrede«

Klimaschutz: 25 Ausreden – und Gegenargumente

Ausreden für klimaschädliche Entscheidungen gibt es viele – doch die meisten lassen sie sich leicht entkräften und ins Gegenteil wenden. Wie das geht, zeigen diese 25 Beispiele aus dem Buch »Die Kunst der Ausrede«.

22.09.2022

Klimaschutz: 25 Ausreden – und Gegenargumente | Klimakrise Psychologie Klimawandel Klimaschutz Konsumverhalten

Der menschengemachte Klimawandel ist eine Bedrohung für die Menschheit. Darüber herrscht in der Gesellschaft heute weitgehend Konsens. Trotzdem gibt es zwischen dieser Erkenntnis und unserem Handeln häufig eine Kluft. Auch eigentlich umweltfreundliche Menschen reden sich klare Klimasünden schön.

Die Ausreden für klimaschädliches Verhalten sind dabei vielfältig und auf verschiedene psychologische Mechanismen zurückzuführen. Diese schützen uns vor den unbequemen Fakten, helfen uns, die eigene Mitverantwortung zu relativieren, und rechtfertigen unsere wenig klimafreundlichen Handlungen vor uns selbst und anderen. Wie diese Widersprüche zwischen Denken und Handeln funktionieren, erklärt Psychologe Thomas Brudermann in »Die Kunst der Ausrede«.

Klimaschutz-Ausreden und passende Konter

Die Gute Nachricht: Fast jede Ausrede dieser paradoxen Klimasünden lässt sich mit ein wenig Kreativität entkräften oder gleich direkt ins Gegenteil wenden. Die folgende Übersicht aus dem Buch liefert dafür Anregungen – jeweils erst mit einer Ausrede und anschließend mit Gegenargumenten bzw. der umgedrehten Ausrede:

1 Klimaschützen nützt mir nichts.

Im Gegenteil: Weniger Fleischkonsum und aktive Mobilität sind gesundheitsfördernd. Urlaub in nahen Destinationen stärkt die lokale Wirtschaft. Wenn mir das nicht nützt, dann schadet es zumindest nicht.

2 Meine Rationalität hat Grenzen.

Ich kann auch mit begrenzter Rationalität klimafreundlicher sein.

3 Widersprüche sind menschlich.

Man kann kognitive Dissonanz beheben, indem man sein Verhalten ändert. Handlungen, die im Einklang mit unseren klimafreundlichen Einstellungen stehen, fühlen sich gut an.

4 Morgen. Nächsten Monat. Nächstes Jahr. Irgendwann.

Etwas aufzuschieben hat uns selten glücklich und zufrieden gemacht.

5 Es ist zu spät.

Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun. Es ist nie zu spät, Klimawandel abzumildern.

6 Ich bin kein grüner Öko-Freak.

Das verlangt ja auch niemand.

7 Dann müsste ich ja meine Gewohnheiten ändern.

Gewohnheiten sind zwar sehr stabil, hängen aber auch vom Kontext ab, in dem sie passieren. Kontexte können sich wandeln. Es gibt Gelegenheitsfenster zum Ändern von Gewohnheiten.

8 Ich habe schon genug andere Sorgen.

Der Klimawandel wirkt aber verstärkend auf alle anderen Sorgen.

9 Ich bin doch umweltfreundlich (im Großen und Ganzen).

Klimaschädliche Taten werden nicht durch umweltfreundliche Taten aufgehoben, aber Umweltfreundlichkeit lässt sich auf das Klima übertragen.

10 Ich bezahle den Schaden.

Besser wäre es aber, den Schaden erst gar nicht anzurichten. Nicht alles kann mit Geld geregelt werden (und die besten Dinge im Leben können nicht mit Geld gekauft werden).

11 Ich habe Angst.

Angst bringt uns nicht weiter, Zweckoptimismus schon.

12 Ich weiß alles. Ganz sicher.

Informierte Menschen wissen um die Wichtigkeit, neuen Erkenntnissen aufgeschlossen gegenüberzustehen. Man lernt nie aus.

13 Es ist zu komplex.

Sollten wir mit dem komplexen, schwer verstehbaren Klimasystem nicht besser sehr vorsichtig umgehen?

14 Ich hatte ja gute Absichten.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Gute Absichten führen nur in Kombination mit Kompetenz und Wissen zu guten Ergebnissen.

15 Ich bin zu bequem.

Dann steht dem Urlaub auf dem Balkon statt in der Karibik nichts im Weg.

16 Ich bin für die Misere nicht verantwortlich.

Ethiker vertreten die Ansicht, dass Mitwissen zu Mitverantwortung führt. (Dummerweise haben Sie das Buch gelesen und wissen jetzt Bescheid.)

17 Die anderen ...

... werden immer klimafreundlicher.

18 Aber in China ...

... sind die Menschen weit weniger klimaschädlich als hier.

19 Ich kann und will es nicht mehr hören.

Wir würden alle lieber etwas anderes hören. Wer klimafreundlich handelt, muss sich aber auch keine Vorwürfe mehr anhören.

20 Sicher ist nur der Tod.

Eine Wahrscheinlichkeit von 80, 90 oder 99 Prozent ist aber trotzdem ziemlich hoch.

21 Ich genieße Katastrophen (und die Klimapartys).

Ich genieße das Ausbleiben von Katastrophen.

22 Neue Technologien werden das Klima retten.

In Kombination mit neuen Technologien kann ich mich klimafreundlicher verhalten, wenn ich will. Technologien alleine reichen nicht aus.

23 XY hat gesagt ...

Zum Lügen gehören immer zwei – einer, der lügt, und einer, der es glaubt. Plus: Es ist nicht verboten, klüger zu werden.

24 Klimaschutz schadet der Wirtschaft und somit uns.

Der Verzicht auf Klimaschutz schadet langfristig weit mehr.

25 Ich habe noch genügend andere Gründe.

Für wichtige Entscheidungen braucht es nur einen Grund.

 

Aus dem Buch 

Warum wir uns lieber selbst täuschen, statt klimafreundlich zu leben

Der Urlaubsflug nach Bali, das Steak im Restaurant, der Kaffee aus der Kapselmaschine: Wir würden ja gerne anders handeln, aber es klappt oft einfach nicht. Den »inneren Schweinehund« kennen wir ...   

Der Buchautor 

Thomas Brudermann ist promovierter Psychologe und Professor für Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung an der Universität Graz. Neben seinem Buch »Massenpsychologie« verfasste er als Autor und Co-Autor über 30 Beiträge in ...

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