Terra Preta

Die schwarze Erde aus dem Regenwald

Der Schwarzerde Terra Preta werden viele positive Eigenschaften zugesprochen: Gesundes Pflanzenwachstum, gute Ernteerträge und verringerte Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. Caroline Pfützner erklärt, woher die Schwarzerde ursprünglich kommt und was sie so besonders macht.

01.02.2020

Was ist Terra Preta?

1878 berichteten erstmals Forscher von tiefschwarzen Böden in Gebieten entlang des Amazonas, die sich deutlich von den dort üblichen unfruchtbaren hellen Ferralsol-Böden abgrenzten. Sieben Jahre später erschien eine erste Aufzeichnung mit Beschreibungen der Inhaltsstoffe dieser schwarzen Böden, in denen man Tonscherben, Überreste von Holzkohle und Steinwerkzeuge gefunden hatte. 1903 wurde ihre außerordentliche Fruchtbarkeit dokumentiert, doch erst ab 1966 bzw. in den 1980er-Jahren wurde sie durch intensive Forschungen weltweit bekannt – die Erde, die von den Einheimischen »Terra Preta do Indio« genannt wird (portugiesisch für »schwarze Erde der Indianer«). Messungen ergaben, dass sie einen Humusgehalt von mindestens 15 Prozent aufweist und an manchen Stellen weit über einen Meter mächtig ist.

Inzwischen weiß man, dass diese Terra-Preta-Böden von einer indianischen Hochkultur geschaffen wurden, die vor rund 500 Jahren schon bald nach der Ankunft der europäischen Eroberer untergegangen ist. Und dass die Annahme, im Amazonasbecken hätten aufgrund der schlechten Böden nur wenige Menschen existieren können (heute sind es etwa 350.000 Einwohner), falsch ist: Tatsächlich lebten hier 5 bis 25 Millionen Menschen in großen Städten entlang des Amazonas und seiner Nebenflüsse, wie Funde von Siedlungsresten belegen – und wovon auch der erste spanische Entdecker Francisco de Orellana (1511–1546) berichtet hatte, dessen Aufzeichnungen nach seiner Rückkehr in Spanien als Hirngespinste abgetan worden waren. Eine so große Anzahl von Menschen hätte jedoch kaum in einer Umgebung mit wenig fruchtbaren Böden leben können. Der Grund für die einst hohen Bevölkerungszahlen kann deshalb nur in der Terra Preta liegen.

Eine 7.000 Jahre alte Methode

Auf der Suche nach dem Geheimnis der Fruchtbarkeit dieser Böden stellte sich heraus, dass die beiden wichtigsten Faktoren bei der Entstehung von Terra Preta Holzkohle und organische Abfälle sind. Die einstigen Bewohner hatten ihre gesamten organischen Abfälle einschließlich ihrer Fäkalien zusammen mit der Holzkohle, die beim Kochen entstand, im Boden vergraben – teilweise in großen Tontöpfen – oder in Komposthaufen oberirdisch verbrannt bzw. verkohlt. Damit lösten die Indios nicht nur auf sehr einfache und effiziente Weise ihr Abfallproblem, das im feucht-heißen Klima des Amazonas ein ständiges Gesundheitsrisiko bedeutete, sondern hielten mit diesem Verfahren auch das Wasser sauber, was für ihr Überleben ebenso wichtig war wie ein fruchtbarer Boden.

Durch Vergraben wurden die Abfälle außerdem nicht einfach kompostiert, sondern unter Luftabschluss fermentiert, um dann allmählich zu vererden und sich in Terra Preta umzuwandeln. Sie bildete die Basis für einen ausgeklügelten Etagenanbau, durch den ausreichend Lebensmittel produziert werden konnten. Auf diese Weise betrieben die Indios eine nahezu verlustfreie Recycling-Wirtschaft – und das bereits vor gut 7.000 Jahren, wie Funde eindeutig belegen.

Eine weitere Überraschung war außerdem die Regenerationskraft der Terra-Preta-Böden, deren enorme Fruchtbarkeit bis in unsere Zeit unverändert erhalten geblieben ist. Sie ermöglicht den Einheimischen noch heute mehrere Ernten pro Jahr – ohne zusätzlichen Dünger. Dies zeigt auch ein erstaunliches Phänomen: Trägt man einen massiven Terra-Preta-Boden bis auf einen Rest weitgehend ab, erreicht er ohne äußeres Zutun nach mehreren Jahren wieder seine alte Mächtigkeit. Diese Funde regten intensive Untersuchungen an, ob und wie sich das System der Terra Preta auf unsere Klima- und Bodenverhältnisse übertragen lässt.

Inzwischen belegen zahlreiche Anwendungen, dass eine nach den Prinzipien der Terra Preta hergestellte Schwarzerde auch bei uns sehr gut geeignet ist, den Boden nachhaltig und ohne zusätzlichen Dünger aufzubauen und mit allen Nährstoffen zu versorgen bzw. ausgelaugte Böden zu revitalisieren oder überdüngte Böden wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Anfangs wurde allerdings versucht, die neue Terra-Preta-Methode patentieren zu lassen, um daraus Kapital zu schlagen. Doch eine Kulturtechnik, wie sie uns von den Indios geschenkt wurde, sollte und kann niemandem »gehören«. Zum Glück hat sich das Wissen um die Schwarzerde mittlerweile weltweit verbreitet, da es heute dringender gebraucht wird denn je.

Dieser Beitrag stammt aus 

Praxiswissen für Garten, Hochbeet und Balkon

Terra Preta gilt als der fruchtbarste Boden der Welt. Zu Recht, denn mit Schwarzerde, die ursprünglich von den Indianern am Amazonas stammt, baut sich eine dauerhafte Humusschicht auf. Das Ergebnis: ...   

Zur Autorin 

Caroline Pfützner ist Hobbygärtnerin aus Leidenschaft mit langjähriger Terra-Preta-Erfahrung. Als Jungunternehmerin der TerraTirol KG, die seit 2014 hochwertige Erde nach der Terra-Preta-Methode herstellt, wurde sie 2016 mit dem Tiroler ...

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